Kampfsportler gehen jetzt eigene Wege

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Die Abteilungen Ringen und Boxen lösen sich aus dem KSV Demmin heraus und gründen neue Vereine

Der Kraft- und Spielsportverein (KSV) Demmin existiert nur noch auf dem Papier. Die beiden verbliebenen Abteilungen Ringen und Boxen haben sich jetzt aus dem KSV herausgelöst und eigene Vereine gegründet. "Von der alten Struktur ist nichts übrig geblieben", begründet Peter Weidemann, Vorsitzender des neuen Demminer Ringervereins 1954. Die Tennissportler und Frauenhandballer hätten den KSV schon lange verlassen, auch die Basketballer "Burschis" und dann allgemeine Sportgruppe hätten sich inzwischen aufgelöst. "Es gab also nur noch Kraftsport", erklärt Weidemann. Jede Sportart habe eigentlich schon immer für sich gearbeitet. "Für uns war es ein Muss, uns selbstständig zu machen." Denn seit Ende des vergangenen Jahres kursierten bereits die Gerüchte, dass die Boxer ihren eigenen Weg gehen und den KSV auflösen wollen. Die Politik im KSV sei schließlich im Boxen gemacht worden. Anfang Februar machten dann die Ringer den ersten Schritt und beschlossen in einer ordentlichen Mitgliederversammlung den Austritt aus dem KSV. Laut Satzung sei das ohne Weiteres möglich gewesen. "Wir haben den Vorstand darüber informiert und er hat unseren Schritt akzeptiert", erinnert sich Peter Weidemann. Anfang März folgte die Gründungsversammlung. Weil es Ringen seit 1954 in der Hansestadt gibt, ist die Jahreszahl in den Vereinsnamen mit aufgenommen worden. Der alte Vorstand der Abteilung ist indes geblieben. Peter Weidemann führt den Verein an, Wolfgang Falkenberg ist sein Stellvertreter. Silvia Baldauf kümmert sich wie gewohnt um die Finanzen, Lutz Warnke ist Sportwart, und Yvonne Andresen betreut die Jugend- und Mädchenarbeit.

Höhepunkt

Anfang April Für die Ringer geändert hat sich eigentlich nur der Name, meint der Vorsitzende. Denn laut KSV-Satzung habe die Abteilung immer eigenständig gearbeitet. "Anders ist nur, dass wir jetzt nicht mehr für den Gesamtverein verantwortlich sind", sagt Peter Weidemann. 37 Mitglieder zählt der neue Ringerverein. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor im Nachwuchsbereich. Und da sind die Demminer, vor allem die Mädchen, erfolgreich. In dieser Saison sicherten sich die Ringer bisher fünf Landesmeistertitel sowie vier norddeutsche Titel. Die Wettkämpfe der E- und D-Jugend stehen noch aus. Als neuen Verein haben sich die Kampfsportler jetzt auch ihren eigenen Höhepunkt geschaffen. Am ersten Aprilwochenende laden sie zum 1. Pokalturnier der Hansestadt Demmin ein. Die Sportart Ringen soll im Kreis populärer gemacht werden "Es ist uns wichtig, Sportler aus anderen Regionen nach Demmin zu holen und den Ringkampf weiterzuentwickeln", sagt Weidemann. Die Hansestädter haben 25 Vereine aus sieben Bundesländern eingeladen. "Wir wollen ein Traditionsturnier daraus entwickeln, speziell als Mädchenturnier." Bei den Olympischen Spielen in Athen dieses Jahr sei Ringen bei den Frauen erstmals olympisch. "Deshalb wollen wir mehr Augenmerk darauf legen." Hohe Maßstäbe setzen sich auch die Boxer. "Zu 99,9 Prozent haben wir den Aufstieg geschafft. Die erste Bundesliga ist die Königsklasse im Amateurboxsport", erklärt Box-Trainer Joachim Zarmstorf. "Wir wollen dieses große Abenteuer eingehen. Es ist die Chance für den Verein, Demmin deutschlandweit bekannt zu machen." Ende Februar machten nach den Ringern auch die Boxer Nägel mit Köpfen und gründeten den Boxclub 04 der Hansestadt Demmin.

Leistungsorientiert

Den Gedanken der Eigenständigkeit gab es schon länger, bestätigt Annelie Zarmstorf, stellvertretende Vorsitzende im neuen Boxclub. "Wir sind eine leistungsorientierte Abteilung." Deshalb brauche man einen Verein, der nur aufs Boxen orientiert sei. Die Boxer wollen sportlich einiges erreichen, sagt Vereinsvorsitzender Eckhardt Tabbert. "Das geht nur durch eine neue Orientierung als Boxclub." Da werde sich auf eins konzentriert. Wie Joachim Zarmstorf ergänzt, haben sich die Demminer von einem Trend anstecken lassen. In Schwerin, Greifswald, Halle, überall würden sich die Boxer aus Vereinen herauslösen und eigene Clubs bilden. "Der Leistungssport ist unser Interesse." Auf die laufende Saison habe der Namenswechsel indes keinen Einfluss. Dies sei mit dem Fachverband abgesprochen worden. Die Herausforderung Bundesliga wolle man annehmen, so Tabbert. Dafür müsse der Club jetzt seine wirtschaftliche Seite auf die Füße stellen. Bis Spätsommer sollen die Finanzen geklärt sein. "Wir hoffen, dass wir in der Region dementsprechende Unterstützung bekommen." Derzeit würden für das wirtschaftliche Fundament etliche Gespräche laufen, nicht nur mit Sponsoren, sondern auch mit Kreis, Stadt und Sportbund. "Schließlich stellen wir für Stadt und Landkreis eine Werbung dar", meint Tabbert. In Mecklenburg-Vorpommern wären die Boxer aus Demmin neben den Volleyballerinnen in Schwerin, den Fußballern von Hansa Rostock und den Handballern aus Stralsund die vierten, die in der 1. Bundesliga vertreten seien.

Über 500 Zuschauer

Zu den Boxkämpfen der Hansestädter kämen 500 bis 600 Zuschauer. "Das ist die absolute Ausnahme hier. Alle Sportarten zusammen kriegen keine 600 Zuschauer zusammen", sagt Joachim Zarmstorf. Die Bürger hätten es verdient, dass die Demminer in der ersten Liga boxen. "Das ist ein Zeichen, dass nicht alles an uns vorbei geht. Wir sind schon das letzte Ende in Deutschland." Eckhardt Tabbert glaubt, dass die Boxer mit der Bundesliga wieder Optimismus nach Demmin bringen könnten. Schatzmeister Lutz Bade hofft, das Finanzkorsett schnüren zu können. Das Entsorgungsunternehmen Rethmann als Hauptsponsor habe die Boxer bereits diese Saison aus der finanziellen Notlage herausgerissen. Auch die E.DIS sei wieder im Boot. Und: Die Boxer setzen auf öffentliche Gelder.

Quelle:
nordkurier.de

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